Hermann Stehr
Kunst am Bau im Kreis Pinneberg

Hermann Stehr wurde 1937 in Uetersen geboren, er starb 1993 in Mexico City
Als Stein-, Holz- und Metallbildhauer fertigte er zahlreiche Kunstwerke im Bereich „Kunst am Bau“ im Kreis Pinneberg und im norddeutschen Raum.
Keramikobjekte wurden gemeinsam mit seiner Ehefrau Barbara Stehr entwickelt und in deren Werkstatt angefertigt. Die renommierte Keramikerin war 1981 die erste Trägerin des Kulturpreises Pinneberg.
Als Freund und zeitweiliger Mitarbeiter konnte ich an einigen Arbeiten sowohl in der Keramikwerkstatt als auch in Hermann Stehrs Atelier mitwirken. Mein Dank gilt Frau Barbara Stehr, vielen der Besitzern der Objekte und Frau Gisela Kienast-Stehr bei der Unterstützung meiner Recherchen.

Hier gehen Kinder gerne zur Schule
1966 Roggenfeldschule Uetersen (heute Rosenstadtschule)
Drei keramische Säulen, eine davon mit einem Skulpturenband aus Aluminium, stehen noch heute auf dem Schulhof.
Ein Lehrer ließ damals seine Schüler Aufsätze über die Kunst auf dem Schulhof schreiben. Einige dieser Aufsätze schickte er an Hermann Stehr, der sie auch aufbewahrte.


Hier steht die Zeit still – an der Wand
1971 Fritz-Reuter-Schule Tornesch
Dies ist Stehrs erstes Kunstwerk in seiner Wohngemeinde Tornesch.
Für die Sonnenuhr stand Herr Stehr vor einer großen Herausforderung:
Die Wand hat keine ideale Südost-Ausrichtung. Aber nach komplizierten Berechnungen konnte er gewährleisten, dass die Zeit korrekt angezeigt wird.
Es ist nicht bekannt, wie viele Schüler wegen der Uhr zu spät gekommen sind, zumal seit einigen Jahren der schattengebende Stab fehlt.
Vom Modell zum Kunstwerk


Uetersener Nachrichten 7.11.1971
1972 Roggenfeldschule Uetersen,
vor der neuen Sporthalle
Hermann Stehr fertigte stets Modelle seiner Arbeiten an, die dann den Auftraggebern zur Begutachtung vorgelegt wurden


Uetersener Nachrichten 13.4.1973
Bäuche zu spitz, Keramik Kitsch?
1973 Heidgraben Grundschule
Die Vorstellung eines solchen Modells führte im April 1973 bei der Gemeindevertreterversammlung zu heftigen Auseinandersetzungen.
Die Bäuche der Figuren erschienen einigen Vertretern zu spitz, die vorgesehenen Keramikplatten wurden als „Kitsch“ bezeichnet. Bürgermeister Tesch wünschte sich für die Keramikteile die Farben Grün und Weiß, die Symbolfarben des HSV (Heidgrabener Sportverein).
Ergebnis: Die Plastik wurde ohne Keramikteile gefertgt.
Erst im Jahre 2003 gab es eine Änderung. Udo Tesch, der langjährige Bürgermeister, wandte sich an Barbara Stehr und die hatte die Lösung.
Während ihrer Professur in Höhr-Grenzhausen stellte sie mit neuartigen Verfahren großformatige Keramikplatten her. Ein zugeschnittenes Teil gehört nun zur Plastik vor der Heidgrabener Sporthalle.
Vielleicht übernimmt nun noch jemand die Restaurierung des Betonsockels. Immerhin ist das Kunstwerk mittlerweile mehr als 50 Jahre alt und hatte 30 Jahre auf die Vollendung gewartet.

Und sie dreht sich doch

1974 Grundschule Haseldorf
Hermann Stehr hatte schon an anderen Orten ähnliche Windräder auf Säulen installiert.
Das Windrad in Haseldorf führte zu regem Briefwechsel zwischen dem Künstler und dem Bauträger
Es wurde bemängelt, dass das untere Windrad immer wieder stehen bleibt
Im April 2025 konnte ich feststellen, dass es sich auch bei leichtem Wind wunderbar bewegt. Und das nach mehr als 50 Jahren!.
Sicherlich wird die gesamte Installation wieder gut von der Straße aus zu sehen sein sobald der Baucontainer nicht mehr gebraucht wird.

Hier geht die Sonne auf
1974 Grundschule Heist
Auf der Fahrt von Heist nach Haselau ist sie schon von Weitem sichtbar:
Eine Rosette aus vielen Keramikeilen, gefertigt in Barbara Stehrs Werkstatt. Sie wird umgeben von einem Rahmen aus Aluminium, Durchmesser 2 Meter.


Hier ist drinnen was draußen ist
1975 Berufsbildungsstätte Elmshorn
Besucher der Einrichtung können beim Betreten die Kunst am Bau nichts falsch interpretieren. Die meisten Gewerke sind mit übergroßen Werkzeugen und Objekten repräsentiert.
Alle Keramikteile stammen aus der Werkstatt von Barbara Stehr.
Schaukeln kann gefährlich sein
1975 Erich Kästner Schule Rellingen Krupunder
Schon von der Straße aus ist deutlich kenntlich gemacht, dass hier fröhliche Kinder zur Schule gehen.
Hermann Stehr fertigte die Schriftzüge aus Metall, die Keramikteile wurden in Barbara Stehrs Werkstatt hergestellt.
Den Figuren, die in Büchern lesen und den beiden Kindern, die einen Drachen steigen lassen, ist nie etwas passiert. Sie sind an Ort und Stelle wie am ersten Tag.
Auf der Schaukel aber saß ursprünglich ein Kind, das seine Beine im Freien schwingen ließ. Irgendwann passierte ein Unglück (Schneeball oder Fußball?). Die Beine waren jedenfalls abgefallen.
Frau Barbara Stehr war im Westerwald tätig, deshalb übernahm ihre Tochter Wanda, ebenfalls Keramikerin, die Reparatur.
Die neue Figur hockt nun mit angezogenen Beinen auf der Schaukel, so sollte sie weitere Ballattacken überstehen.
Es bleibt zu hoffen, dass das gesamte Kunstwerk die nächsten Jahre überstehen kann. Die Schule zieht bald um in einen Neubau an anderem Ort.
